Ein Parcours vermittelt Schülern naturwissenschaftliche Phänomene


Unterschiedliche Experimente sollen schon beiKindern das Interesse an technischen Dingen wecken.

Sie sollen abgehen wie die Raketen, diese jungen Menschen, in möglichst jungen Jahren den Tüftler und Techniker in sich entdecken. „Bis 2015 werden in Baden-Württemberg 200 000 Fachkräfte gebraucht. 2009 konnten deutschlandweit 61 000 Stellen in naturwissenschaftlichen Fächern nicht besetzt werden", erklärt Michael Kempter vom Arbeitgeberverband Südwestmetall, Bezirksgruppe Rems-Murr. Da muss man hurtig rekrutieren. Zu diesem Zweck wurde der Technik-Club Rems-Murr gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mädchen und Jungen für Technik zu begeistern. Gemeinsam wollen der Landkreis und Südwestmetall zehn kostenlose Veranstaltungen im Jahr anbieten. Die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen unterstützt die Initiative, deren Auftakt am Samstagmorgen am Max-Born-Gymnasium war. In verschiedenen Räumen der Schule war ein Parcours aus sechs Stationen aufgebaut. Die Kinder konnten unter der Anleitung lernen, wie man aus Papier eine stabile Brücke baut, den Inhalt eines Farbstiftes analysieren, ihr Lungenvolumen testen, aus einer Zitrone eine Batterie bauen oder sich eine Rakete basteln.

„30 Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 12 Jahren, allesamt Technikdetektive, werden am 27. Februar mit Feuereifer dabei sein", hieß in der Ankündigung der Veranstaltung. Und das Ganze sollte ja auch nicht zu ihrem Nachteil sein: Immerhin winken auf diesem Feld später mal Jobs, da kann man offenbar gar nicht früh genug damit anfangen, die Kinder und deren Eltern „für die technische Berufswelt zu sensibilisieren", wie Timo John von der Kreissparkassenstiftung meint.

„Feuereifer" ist vielleicht ein etwas starkes Wort, aber die Fünftklässlerinnen Carina, Franzi, Marie und Maren hatten durchaus Freude am Rakentenbau. Ein Alurohr, ein Stück Gartenschlauch, ein Ventil, eine PET-Flasche, ein Korken mit Loch, Wasser und Luft - viel mehr braucht es für die Rakete eigentlich nicht. Als Abschussrampe dient ein Holzklotz, indem ein Metallstab befestigt wird, über den die verkorkte Flaschenrakete gestülpt wird.

„Man muss beim Raketenbau stark improvisieren, überlegen, wie man was umfunktioniert", erklärt Julian Niemcewicz. Der Zehntklässler ist Profi, tauscht sich auf Raketenforen im Internet aus, tüftelt längst an erheblich anspruchsvolleren Wasserraketen, die 160 Meter weit aufsteigen und mit einem Fallschirm ausstaffiert sind für eine heile und sanfte Landung des pfeilschnellen Geschosses. „Das ist kein Spielzeug mehr, das ist fast schon eine Waffe."

Julian und Timo Lenz, sein Kodozent in diesem Workshop für die jüngeren Schüler, ist so etwas wie Feuereifer schon anzumerken. Der kam übrigens fast von alleine, erzählt Julian: Eine Bauanleitung in einem Wissenschaftsbuch für Kinder hatte ihn auf die Rakete gesetzt. Die kleinen Mädchen in seinem Workshop bekommen die vorgefertigten Teile schon gebrauchsfertig bereitgelegt. Sie mussten nicht selbst im­provisieren. Bei der Generalprobe ihrer Raketen im Treppenhaus der Schule ploppt es ein wenig, bevor die PET-Flaschen dann doch noch ein paar Meter hochsausen. Vielleicht ist noch kein Wasser drin, dessen Rückstoß der Rakete den richtigen Kick gen Himmel gibt?