Arbeitet an der Lösung eines fiktiven Kriminalfalls: Zwölftklässlerin Özgü Bas vom Max-Born-Gymnasium im Genlabor.

Auf dem Schulhof vor dem Max-Born-Gymnasium bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick: Wo sonst kreischende Unterstufenschüler Fangen spielen, steht ein großer, futuristisch anmutender Lkw. Wagt man einen Blick ins Innere, so sieht man in weiße Laborkittel gehüllte Gestalten, deren Augen hinter Schutzbrillen liegen, Laborbänke, DNA-Modelle, wissenschaftliche Ausstellungsplakate. Kein normaler Laster ist dies offensichtlich: Das Biolab ist ein rollendes Genlabor. Dank diesem Projekt der Landesstiftung Baden-Württemberg wird der Alltag im Genlabor für naturwissenschaftlich orientierte Oberstufenschüler praktisch erfahrbar.

Dr. Stephanie Würfl, promovierte Biologin, die im Auftrag der Landesstiftung mit dem Lkw durchs Land reist, erklärt den zwanzig Zwölftklässlern des vierstündigen Biologiekurses ihre nächsten Arbeitsschritte. Das Programm des Tages heißt „genetischer Fingerabdruck". Drei Stunden lang werden Schüler in theoretische Grundlagen und Analysemethoden eingeführt. Die Atmosphäre ist entspannt, aber konzentriert: „Auf schlau heißt das wie, wenn was gespalten wird was mit -lyse?" Die Schüler lachen, finden gemeinsam zur richtigen Antwort. Eine künftige Abiturientin wendet die neu eingeführte Methode unter wissenschaftlicher Aufsicht direkt an.

Es geht um DNA-Analytik: Eine Standardmethode mit dem äußerst sperrigen Fachbegriff „Agarose-Gelelektrophorese". DNA-Teile werden mithilfe eines Filters gesiebt, es ergibt sich ein fleckiges Strichmuster. „Die Anordnung der Striche ist bei jedem Menschen unterschiedlich: Das Ergebnis dieser Methode ist der berühmte genetische Fingerabdruck", erklärt Dr. Andreas Horschinek, der als promovierter Biologe ebenfalls mit dem Biolab unterwegs ist und die Schüler wissenschaftlich anleitet. Zum Abschluss des Experimentierschrittes sollen die Schüler auch einen fiktiven Kriminalfall lösen. „So etwas kennt man aus dem Fernsehen, von den ganzen Gerichtssendungen, da ist es toll, so was auch mal selber zu machen", findet Steffi Schmider „Wer war der Täter?", lautet denn auch die Frage. Auf Schülerseite herrscht Einigkeit: Thomas, einer der Hauptverdächtigen. Mit den Spuren auf seiner Kippe kann er überführt werden - noch nicht des Mordes, aber zumindest der Anwesenheit am Tatort. Alle haben ihr Praktikum damit erfolgreich beendet.

Die Schüler sind von ihrem alternativen Schultag begeistert. „Theoretisch haben wir das ja alles schon vorher gelernt, aber es ist doch noch mal viel interessanter, das alles auch einmal praktisch auszuprobieren", fasst die Schülerin Johanna Lager die Ergebnisse ihres Labortages zusammen. Die weißen Kittel werden zusammengefaltet, die Brillen abgelegt, und die Jungforscher verwandeln sich wieder in normale Zwölftklässler, während sie das Biolab verlassen.