Barbara Wangler und Ewald Müller unterrichten am Backnanger Max-Born-Gymnasium. Die Studiendirektorin gibt Englisch und Geschichte, Oberstudienrat Müller hat die Fächer Mathematik, Physik, Astronomie, Darstellende Geometrie und das noch nicht so lange eingerichtete Hauptfach Naturwissenschaft und Technik (NWT). Beide haben ein Deputat von 23 Stunden wöchentlich. Unterrichtsstunden aber sind nicht gleich Arbeitsstunden. Sie müssen vor- und nachbereitet werden, bringen Korrekturen und andauernde Weiterbildung mit sich.
„Schließlich kann ich, wenn es um den Präsidenten der USA geht, nicht mehr über George W. Bush reden", sagt Barbara Wangler. Dazu aber addiert sich eine erstaunlich lange Liste weiterer Aufgaben, die regelmäßig oder doch zumindest punktuell im Schuljahr erledigt werden müssen. Wangler beispielsweise ist eine der vier Schulabteilungsleiter und zuständig unter anderem für den Schüleraustausch und die Lehrerbibliothek. Sie ist aber auch noch Mentorin von Referendaren, Fachbeauftragte für Englisch und Geschichte, Klassenlehrerin, Theater-AG-Leiterin und hat obendrein noch Prüfungen zu betreuen.
Ganz ähnlich ergeht es Ewald Müller. Die Einführung des Fachs Naturwissenschaft und Technik, verbunden mit vielen Probeexperimenten, und vor allem die Arbeit für sein „Steckenpferd", die von Südwest-Metall gesponserte Schüler-Ingenieurakademie, benötigten viel Zeit. Und schließlich gibt es noch die Eltern-und die Konferenzarbeit. Die Umstellung auf G8 und die Ausarbeitung der schuleigenen Curricula nach Bildungsstandards muss schließlich vom Kollegium bewältigt werden. Kommunikation ist das A und O an einer Schule.
Man möchte angesichts dieser Aufgabenfülle erbleichen. „Unter 50 Stunden die Woche geht hier niemand raus", sagt Müller, der übrigens seit einem Schullandheimaufenthalt an Tinnitus leidet. Dennoch hat er auch noch die Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten übernommen. Beide Lehrer sind gerne Lehrer. Und was das Zwischenmenschliche, vor allem im Verhältnis Schüler-Lehrer, anbelangt, so hat sich etwas getan. „Heute", sagt Wangler, „haben wir es mit vielfältigen Problemen zu tun, aber wir können unsere Beratungslehrerin zur Moderation hinzuziehen." Wangler und Müller betrachten es als Herausforderung, die Schüler als einzelne Individuen wahrzunehmen, was bei 31 Schülern allerdings nicht leicht sei. „Aber die gewisse Kälte von draußen, die wollen wir in der Schule nicht," erklärt die Studiendirektorin. Und was verärgert die erfahrenen Pädagogen so richtig? Das miese Bild vom Lehrer in den Medien frustriert beide. Unzufrieden ist Wangler außerdem über Strukturveränderungen, die nicht von der Basis her aufgebaut sind. Und Ewald Müller ärgert es, wenn frühzeitig in Pension gegangene Lehrer in der Gesellschaft als „Weichlinge" gelten: „Niemand fragt nach den Gründen!" |